Die zweite Lesung
Der Rittersaal in einem Kloster, drei große runde Tische: 25 Personen aus der Familie meines Vaters frönen dem leckeren Dinner. Das Treffen war lange geplant. Wir Vettern und Kusinen der großen Familie wollten uns einmal ohne Trauerfeier, also zwanglos für ein Wochenende sehen. Der bunte Abend beginnt mit klassischer Stubenmusik Piano und Geige. Dann bin ich dran. Einen fetten Sessel von der Bühne verschiebe ich inmitten der Tische, so dass jeder gut zuhören kann. Es ist ein überwältigendes Gefühl, als alle ganz Ohr sind. Nach einer kurzen Einführung des Inhaltes meines ersten Romanes „Die verschollene Bernsteinkette“ – Schauplatz ist überwiegend die Nordseeinsel Sylt – lese ich zwei ausgewählte Szenen vor, in denen Lokale beschrieben werden. „Ahs“ und „Ohs“, eingerahmt in ein Schmunzeln, kommen von Insidern. Applaus, als ich signalisiere, dass ich fertig bin und mir ein Glas Weißwein gönne. Während die Stubenmusik wieder einsetzt, verschenke ich Buchexemplare, die ich noch übrighabe.